Gut zu wissen · Altersvorsorge
Riester richtig gerechnet: Für wen sich die Zulagen wirklich lohnen
„Riester lohnt sich nicht" — dieses Pauschalurteil hört man oft. Es ist die halbe Wahrheit. Wer die staatlichen Zulagen und den Steuereffekt in die Rechnung einbezieht, sieht: Für zwei Gruppen kann sich Riester deutlich lohnen.
Gruppe 1: Familien mit Kindern
Pro Jahr gibt es 175 € Grundzulage — und für jedes ab 2008 geborene Kind zusätzlich 300 € Kinderzulage. Der geforderte Eigenbeitrag (4 % des Vorjahres-Bruttoeinkommens, maximal 2.100 € inklusive Zulagen) wird um die Zulagen gekürzt.
Das heißt: Je mehr Kinder, desto größer der Anteil, den der Staat einzahlt — und desto kleiner Ihr Eigenanteil. In manchen Konstellationen sinkt er bis auf den Sockelbetrag von 60 € im Jahr, also 5 € im Monat.
Gruppe 2: Gutverdiener
Wer wenig von Zulagen profitiert, aber viel Steuern zahlt, nutzt den zweiten Hebel: Riester-Beiträge sind bis 2.100 € pro Jahr als Sonderausgaben absetzbar. Das Finanzamt prüft automatisch, was günstiger ist (Zulage oder Steuervorteil), und erstattet die Differenz.
Bei hohem Steuersatz kommt so ein erheblicher Teil des eingezahlten Beitrags direkt über die Steuererklärung zurück — Geld, das in der Pauschalrechnung „Einzahlung gegen Rente" meist unterschlagen wird.
Die ehrlichen Einschränkungen
Zur vollständigen Beratung gehört auch die andere Seite:
- Manche Verträge sind mit hohen Kosten belastet — dann kommt zu wenig vom Beitrag im Sparanteil an. Die Tarifauswahl entscheidet.
- Zulagen gibt es nur, wenn sie beantragt werden. Ein Dauerzulagenantrag erledigt das automatisch — er muss aber einmal gestellt werden.
- Für Alleinstehende mit mittlerem Einkommen ohne Kinder gibt es oft passendere Vorsorgeformen. Auch das sagen wir Ihnen offen.
Ob Riester zu Ihnen passt, ist keine Glaubensfrage, sondern eine Rechenaufgabe — mit Ihren Zahlen. Genau das machen wir in der Beratung: erst rechnen, dann empfehlen.